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📉Finanzen

Der wahre Preis von Langstehern: So berechnen Sie die versteckten Kosten

Ein Fahrzeug steht seit 90 Tagen? Die Kosten sind höher als Sie denken. Erfahren Sie, wie Sie Standkosten berechnen – und wann Handeln dringend nötig wird.

Dealer OS Team
27. Februar 20269 Min. Lesezeit

Es ist ein Montagmorgen. Sie gehen durch Ihren Bestand und bleiben bei einem silbernen Audi A4 stehen. "Der steht jetzt auch schon eine Weile", denken Sie. Ein Blick ins System: 94 Tage. Hm.

Dann schieben Sie den Gedanken beiseite. Das Fahrzeug ist ja bezahlt, steht einfach da und kostet nichts – oder?

Falsch gedacht. Dieser Audi kostet Sie jeden Tag Geld. Mehr als Ihnen lieb ist. Und je länger er steht, desto teurer wird es.

Was ist ein Langsteher?

Bevor wir rechnen, eine Definition:

Langsteher sind Fahrzeuge, die überdurchschnittlich lange im Bestand verbleiben. Die genaue Grenze hängt von Ihrem Geschäft ab, aber als Faustregel gilt:

  • 0-30 Tage: Normale Standzeit
  • 30-60 Tage: Aufmerksamkeit erforderlich
  • 60-90 Tage: Handlungsbedarf
  • Über 90 Tage: Akuter Langsteher – kostet Sie aktiv Geld

Der Branchendurchschnitt in der Schweiz liegt bei etwa 45-55 Tagen Standzeit. Top-Händler schaffen 30-35 Tage.

Die 7 versteckten Kosten eines Langstehers

1. Kapitalbindung: Der stille Killer

Das offensichtlichste, aber am meisten unterschätzte Problem: Ihr Geld steckt im Fahrzeug fest.

Die Rechnung:

Nehmen wir unseren Audi A4:

  • Einkaufspreis: CHF 18'000
  • Finanzierungszins (falls fremdfinanziert): 4.5% p.a.
  • Opportunitätskosten (falls eigenfinanziert): 6% p.a. (was Sie anderswo verdienen könnten)

Kosten bei 4.5% Finanzierungszins:

  • Pro Jahr: CHF 18'000 × 4.5% = CHF 810
  • Pro Monat: CHF 67.50
  • Pro Tag: CHF 2.25

Bei 90 Tagen Standzeit: CHF 202.50 Zinskosten.

Das klingt nach wenig. Aber wir sind ja noch nicht fertig.

2. Wertverfall: Der unaufhaltsame Abwärtstrend

Autos verlieren an Wert. Jeden Tag. Jeden Monat. Ohne dass Sie etwas dafür können.

Typischer Wertverlust einer 3-jährigen Occasion:

  • Im ersten Jahr nach Kauf: 8-12%
  • Pro Monat: ca. 0.7-1%

Für unseren CHF 18'000-Audi:

  • Wertverlust pro Monat: ca. CHF 126-180
  • Nach 3 Monaten: CHF 378-540 weniger wert

Dieser Verlust ist real. Sie können weniger verlangen – oder das Fahrzeug bleibt noch länger stehen.

3. Lager- und Stellplatzkosten

Ein Fahrzeug braucht Platz. Platz kostet Geld.

Direkte Kosten:

  • Miete Stellplatz (falls extern): CHF 100-250/Monat
  • Anteil Ihrer Platzmiete (falls intern): CHF 50-150/Monat

Indirekte Kosten:

  • Der Platz fehlt für ein Fahrzeug, das sich verkaufen würde
  • Ihre Showroom-Fläche wird ineffizient genutzt

Beispiel: Ihre Garage hat 20 Stellplätze, Gesamtmiete CHF 4'000/Monat.

  • Kosten pro Stellplatz: CHF 200/Monat
  • Der Audi A4 blockiert 3 Monate: CHF 600

4. Versicherungs- und Steuern

Ein eingelöstes Fahrzeug im Bestand kostet laufende Abgaben:

Typische Kosten pro Fahrzeug:

  • Haftpflichtversicherung: CHF 30-50/Monat
  • Steuern: CHF 15-40/Monat (je nach Kanton und Hubraum)

Unser Audi über 3 Monate:

  • Versicherung: CHF 90-150
  • Steuern: CHF 45-120
  • Total: CHF 135-270

5. Pflegeaufwand: Waschen, laden, bewegen

Ein stehendes Auto pflegt sich nicht von selbst:

Was regelmässig anfällt:

  • Fahrzeug waschen (alle 2-3 Wochen): CHF 15-30 pro Waschgang
  • Batterie laden/Fahrzeug bewegen: Zeitaufwand, ca. 15 Min/Woche
  • Gelegentlich Luft aufpumpen: Zeitaufwand

Über 3 Monate:

  • Wäschen: 4-6× = CHF 60-180
  • Arbeitszeit (geschätzt): 3h × CHF 60/h = CHF 180
  • Total: CHF 240-360

6. Inseratskosten: Zahlen ohne zu verkaufen

Während das Fahrzeug steht, zahlen Sie für seine Präsenz auf AutoScout24 & Co.

Typische Kosten pro Monat pro Fahrzeug:

  • AutoScout24 (Händlerpaket): CHF 20-40 anteilig
  • Autolina: CHF 10-20 anteilig
  • Sonstige Kanäle: CHF 5-15

Über 3 Monate: CHF 105-225 für Inserate, die nicht zum Verkauf führen.

7. Opportunitätskosten: Das verpasste Geschäft

Der grösste Posten – und der unsichtbarste:

Was wäre, wenn Sie statt des Langstehers ein anderes Fahrzeug hätten?

Ein durchschnittlich rotierendes Fahrzeug:

  • Einkauf CHF 18'000
  • Verkauf nach 40 Tagen: CHF 21'500
  • Marge: CHF 3'500

In 90 Tagen könnten Sie 2 solche Fahrzeuge durchdrehen:

  • 2 × CHF 3'500 = CHF 7'000 Marge

Stattdessen: Der Langsteher bindet Ihr Kapital und Ihren Platz.

  • Verpasster Gewinn: CHF 3'500-7'000

Die Gesamtrechnung: Was kostet unser Audi wirklich?

Fassen wir zusammen. Der Audi A4 steht 90 Tage. Was kostet das?

KostenfaktorBetrag (CHF)
Kapitalbindung (Zinsen)200
Wertverfall400
Stellplatz600
Versicherung & Steuern200
Pflege & Aufwand300
Inseratskosten150
Opportunitätskosten3'500
**TOTAL****5'350**

Fünftausend Franken. Für ein Fahrzeug, das "ja nur rumsteht".

Die Standzeit-Formel für Ihren Betrieb

Berechnen Sie Ihre eigenen Kosten pro Standtag:

Einfache Formel:

Tägliche Standkosten = (Kapitalbindung + Wertverfall + Fixkosten + Opportunitätskosten) / 30

Wobei:

  • Kapitalbindung = Einkaufspreis × Zins / 365
  • Wertverfall = Einkaufspreis × 1% / 30
  • Fixkosten = (Platz + Versicherung + Steuern + Pflege + Inserate) / 30
  • Opportunitätskosten = Durchschnittsmarge / Durchschnittliche Standzeit × 30

Für unseren Audi:

  • Kapitalbindung: CHF 18'000 × 5% / 365 = CHF 2.50/Tag
  • Wertverfall: CHF 18'000 × 1% / 30 = CHF 6/Tag
  • Fixkosten: (200 + 50 + 45 + 100 + 50) / 30 = CHF 15/Tag
  • Opportunitätskosten: CHF 3'500 / 45 = CHF 78/Tag

Tägliche Standkosten: CHF 101.50

Nach 90 Tagen: CHF 9'135

Noch schlimmer als die erste Rechnung – weil wir die Opportunitätskosten realistischer berechnet haben.

Wann wird ein Fahrzeug zum Langsteher?

Die Ursachen sind vielfältig:

1. Falsche Einkaufsentscheidung

  • Überzahlt beim Ankauf
  • Unpopuläre Farbe/Ausstattung
  • Nischenfahrzeug ohne lokale Nachfrage

2. Falsche Preisgestaltung

  • Zu teuer für den Markt
  • Preis nicht an Marktentwicklung angepasst
  • Preisreduktion zu spät oder zu klein

3. Mangelhafte Präsentation

  • Schlechte Fotos
  • Unvollständige Beschreibung
  • Nicht auf allen relevanten Plattformen

4. Externe Faktoren

  • Saison (Cabrios im Winter)
  • Marktschwankungen
  • Neue Konkurrenzmodelle

Die 60-30-10-Regel für Langsteher-Management

Ein bewährtes System:

Tag 1-30: Normale Vermarktung

  • Vollständige Inserate auf allen Plattformen
  • Professionelle Fotos
  • Aktive Bewerbung
  • Keine Panik

Tag 31-60: Analyse und Anpassung

  • Analyse: Warum keine Anfragen? Preis? Präsentation? Nachfrage?
  • Preisanpassung: 3-5% Reduktion oder Verhandlungsspielraum einräumen
  • Verbesserung: Fotos erneuern, Beschreibung optimieren
  • Aktivierung: Gezielte Werbung (z.B. AutoScout24-Hervorhebung)

Tag 61-90: Aggressive Massnahmen

  • Deutliche Preisreduktion: 5-10%
  • Alternative Kanäle: Auktion, B2B-Verkauf an Händler
  • Inzahlungnahme: Als Tauschobjekt bei Neukäufen anbieten
  • Entscheidungsfrist: Was passiert an Tag 90?

Ab Tag 90: Exit-Strategie

  • Realistische Bewertung: Was ist das Fahrzeug JETZT wert?
  • Akzeptieren: Verlust minimieren, nicht maximieren
  • Verkaufen: An Händler, auf Auktion, mit Verlust – aber VERKAUFEN
  • Lernen: Warum ist das passiert? Wie vermeiden wir es nächstes Mal?

Praktische Tools für die Standzeit-Kontrolle

Minimallösung: Excel-Übersicht

FahrzeugEinkaufsdatumTage im BestandStatusAktion
VW Golf15.01.202642🟡Preis prüfen
Audi A428.11.202590🔴Sofort handeln
BMW X101.02.202625🟢OK

Professionelle Lösung: Dealer-Software

Mit einem System wie Dealer OS:

  • Automatische Standzeit-Berechnung
  • Alerts bei Überschreitung von Schwellenwerten
  • Standkosten pro Fahrzeug in Echtzeit
  • Automatische Preisanpassungs-Empfehlungen

Die wichtigsten Learnings

  1. "Es kostet ja nichts" ist ein Irrtum. Jeder Standtag kostet reales Geld.
  1. Opportunitätskosten sind die höchsten Kosten. Kapital und Platz, die nicht rotieren, verdienen kein Geld.
  1. Früh handeln ist billiger. Ein 5%-Nachlass an Tag 45 ist günstiger als ein 15%-Nachlass an Tag 120.
  1. Messen Sie Ihre Standzeit. Was Sie nicht messen, können Sie nicht verbessern.
  1. Setzen Sie Limits. Definieren Sie eine maximale Standzeit – und halten Sie sich daran.

Fazit: Zeit ist Geld – wörtlich

Im Autohandel gilt der alte Spruch besonders: Zeit ist Geld. Jeder Tag, den ein Fahrzeug im Bestand steht, kostet Sie CHF 50-150 an direkten und indirekten Kosten.

Der silberne Audi A4 aus der Einleitung? Sie wissen jetzt, was er wirklich kostet. Die Frage ist: Was tun Sie heute damit?

Mein Vorschlag: Gehen Sie durch Ihren Bestand. Identifizieren Sie alle Fahrzeuge über 60 Tagen. Und dann handeln Sie. Heute. Nicht morgen.


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