Die Kunst der Preisgestaltung
Der Preis ist das mächtigste Werkzeug im Verkauf. Zu hoch, und das Fahrzeug steht ewig. Zu niedrig, und Sie verschenken Marge. Die Preisgestaltung ist eine Kunst – aber eine, die man lernen kann.
Die Basis: Kosten verstehen
Bevor Sie einen Verkaufspreis festlegen, müssen Sie Ihre Kosten kennen.
Direkte Kosten
- Einkaufspreis: Was haben Sie für das Fahrzeug bezahlt?
- Aufbereitung: Reinigung, Politur, Aufwertungen
- Reparaturen: Notwendige Reparaturen vor dem Verkauf
- MFK-Kosten: Falls eine Prüfung nötig war
Indirekte Kosten (pro Fahrzeug/Monat)
- Versicherung: Händlerdeckung anteilig
- Platzkosten: Miete/Abschreibung pro Stellplatz
- Kapitalbindung: Zinsen auf gebundenes Kapital
- Personalkosten: Anteilig für Verwaltung und Verkauf
- Marketingkosten: Inserate, Fotos, Werbung
Beispielrechnung
| Position | Betrag |
|---|---|
| Einkaufspreis | CHF 15'000 |
| Aufbereitung | CHF 500 |
| Service/Reparaturen | CHF 800 |
| MFK | CHF 150 |
| **Direkte Kosten** | **CHF 16'450** |
| Standkosten (2 Monate) | CHF 400 |
| Marketing | CHF 200 |
| **Gesamtkosten** | **CHF 17'050** |
Marktpreisanalyse: Was zahlt der Markt?
Vergleichsfahrzeuge finden
Suchen Sie auf AutoScout24 und anderen Plattformen nach vergleichbaren Fahrzeugen:
- Gleiches Modell und Jahrgang
- Ähnliche Kilometer
- Vergleichbare Ausstattung
- Ähnlicher Zustand
Preisschwankungen verstehen
Die Preise für identische Fahrzeuge können stark variieren:
- Unten: Fahrzeuge mit Mängeln, unprofessionelle Verkäufer, Schnellverkauf
- Mitte: Marktüblicher Preis, guter Zustand
- Oben: Premium-Ausstattung, wenig Kilometer, Top-Präsentation
Positionierung wählen
- Unter dem Markt: Schneller Verkauf, geringere Marge
- Im Markt: Balance aus Geschwindigkeit und Marge
- Über dem Markt: Nur mit Top-Fahrzeug und Geduld
Die Preisstrategien im Detail
Strategie 1: Festpreis
Vorteile:
- Klare Kalkulation
- Kein Feilschen
- Professioneller Eindruck
Nachteile:
- Weniger Flexibilität
- Manche Kunden erwarten Verhandlung
Wann geeignet:
- Premium-Fahrzeuge
- Marktführende Preise
- Kunden, die "Festpreis" zu schätzen wissen
Strategie 2: Verhandlungsspielraum einbauen
So funktioniert's:
- Setzen Sie den Preis 5-10% über Ihrem Zielpreis
- Kommunizieren Sie "Preis verhandelbar"
- Definieren Sie intern Ihre Schmerzgrenze
Vorteile:
- Kunden haben Erfolgserlebnis
- Mehr Anfragen durch "verhandelbar"
Nachteile:
- Kann unseriös wirken
- Risiko zu grosser Zugeständnisse
Strategie 3: Dynamische Preisgestaltung
Das 30-60-90 Modell:
- Tag 1-30: Voller Preis
- Tag 31-60: Erste Reduktion (3-5%)
- Tag 61-90: Weitere Reduktion (5%)
- Tag 90+: Aggressive Preissenkung oder B2B-Verkauf
Vorteile:
- Maximiert Marge bei schnellen Verkäufen
- Verhindert ewige Standzeiten
Psychologische Preisgestaltung
Die Macht der 9
CHF 19'990 wirkt günstiger als CHF 20'000 – obwohl der Unterschied minimal ist. Diese psychologischen Preispunkte funktionieren auch im Autohandel.
Ankereffekt nutzen
Zeigen Sie zuerst ein teureres Fahrzeug. Das günstigere wirkt danach wie ein Schnäppchen.
Vergleichswerte liefern
"Dieses Fahrzeug kostet bei Mercedes-Benz als Jungwagen CHF 45'000. Bei uns nur CHF 32'000."
Einzelpreise vs. Pakete
Statt: "Winterräder: CHF 1'200 extra"
Besser: "Inklusive Winterräder im Wert von CHF 1'200"
Sonderfälle und ihre Preisgestaltung
Premium- und Luxusfahrzeuge
- Weniger preissensitive Käufer
- Zustand und Historie wichtiger als Preis
- Vertrauen und Reputation entscheidend
- Längere Standzeiten einkalkulieren
Volumenmodelle
- Preis ist Hauptentscheidungskriterium
- Enge Margen, schneller Umschlag
- Wettbewerb ist gross
Nischenfahrzeuge
- Kleine Käufergruppe, aber wenig Konkurrenz
- Preis kann höher sein
- Geduld nötig
Problemfälle
- Hohe Kilometer, unbeliebte Farben, Vorschäden
- Realistisch bepreisen
- Alternative: B2B-Verkauf oder Export
Preis-Einwände souverän behandeln
"Das ist mir zu teuer"
"Ich verstehe. Darf ich fragen, mit welchen Fahrzeugen Sie vergleichen? Unser Fahrzeug hat [spezifischer Vorteil], was den Preis rechtfertigt."
"Im Internet ist das gleiche Fahrzeug günstiger"
"Zeigen Sie mir das Inserat gerne. Oft sind die Fahrzeuge nicht wirklich vergleichbar – Zustand, Ausstattung und Historie machen einen grossen Unterschied."
"Was können Sie am Preis noch machen?"
"Der Preis ist marktgerecht kalkuliert. Wenn es um die Gesamtkosten geht, kann ich Ihnen bei [Winterräder/Service/Garantie] entgegenkommen."
Tools und Hilfsmittel
Marktbeobachtung
- AutoScout24 Preis-Statistiken
- Eurotax/Schwacke-Bewertungen
- Eigene Verkaufshistorie
Preiskalkulation
- Tabellenkalkulation mit allen Kosten
- Software mit automatischer Marktpreisanalyse
- Regelmässige Preisüberprüfung im Bestand
Fazit: Der Preis ist mehr als eine Zahl
Die richtige Preisgestaltung ist eine Mischung aus Daten, Erfahrung und Fingerspitzengefühl. Kennen Sie Ihre Kosten, beobachten Sie den Markt und seien Sie bereit, Ihre Strategie anzupassen. So maximieren Sie Ihre Margen ohne unnötig lange Standzeiten.
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