Mitte Februar in der Schweiz. Die Temperaturen kratzen kaum an der Null-Grad-Marke, die Strassen sind salzverkrustet, und der Himmel ist grau. Niemand denkt ans Cabrio. Genau der richtige Zeitpunkt, um welche zu kaufen.
Jedes Jahr das gleiche Spiel: Im März sind Cabriolets noch Ladenhüter. Im April beginnt die Nachfrage zu steigen. Im Mai und Juni herrscht Hochsaison. Wer jetzt einsteigt, kann innerhalb von sechs bis acht Wochen 2'000 bis 4'000 Franken pro Fahrzeug verdienen — wenn er die richtigen Modelle wählt.
Die Psychologie des Cabrio-Marktes
Der Schweizer Occasionsmarkt ist stark saisonabhängig. Besonders bei Lifestyle-Fahrzeugen wie Cabriolets zeigt sich das deutlich. Von November bis Februar interessiert sich kaum jemand für offene Autos. Die wenigen Anfragen kommen von Profis, die genau wissen, was sie tun — oder von Schnäppchenjägern mit unrealistischen Vorstellungen.
Für Sie als Händler bedeutet das: Jetzt liegen die Preise 10 bis 15 Prozent unter dem Jahresdurchschnitt. Nicht weil die Fahrzeuge schlechter sind, sondern weil die Nachfrage fehlt. Wer im März kauft, zahlt Winterpreise. Wer im Mai verkauft, kassiert Sommerprämien.
Das Risiko? Gering. Cabriolets sind keine Exoten mehr. Die meisten Modelle haben einen stabilen Markt. Und selbst wenn das Wetter im April bescheiden bleibt — spätestens im Mai kommt der Run.
Welche Cabrios sich 2026 lohnen
Nicht jedes offene Auto ist gleich viel wert. Manche Modelle verkaufen sich quasi von selbst, andere verstauben monatelang im Bestand. Hier die Kategorien, auf die Sie setzen sollten:
Die Allrounder: Golf, Mini, Audi A3
Das sind die Brot-und-Butter-Cabriolets. Golf Cabrio (vor allem die Generation VI und VII), Mini Cabrio und Audi A3 Cabrio verkaufen sich das ganze Jahr über solide. Im Frühling werden sie zur sicheren Bank.
Golf Cabrio: Ein VW Golf 2.0 TSI Cabrio von 2014 mit 110'000 km kostet Sie jetzt etwa CHF 12'000. Im Mai kriegen Sie 14'500 bis 15'000 dafür. Die Nachfrage ist breit: von jungen Paaren bis zur Generation 50+.
Mini Cabrio: Hier zahlt die Marke. Ein Mini Cooper Cabrio von 2016 mit 80'000 km liegt aktuell bei CHF 17'000. Ab April sind CHF 19'500 realistisch. Wichtig: Nur die Benziner. Diesel-Cabrios sind ein Nischenprodukt.
Audi A3 Cabrio: Etwas gehobener, aber immer noch massentauglich. Ein A3 1.8 TFSI Cabrio von 2015 mit 95'000 km kostet Sie CHF 18'000. Im Frühling gehen die für CHF 20'500 weg. Achten Sie auf Quattro-Modelle — die sind beliebter als Fronttriebler.
Die Sportlichen: MX-5, Z4, TT
Hier wird's interessanter. Roadster mit Charakter ziehen eine spezifische Käuferschicht an. Wer einen Mazda MX-5 sucht, will genau das. Keine Kompromisse. Das macht den Verkauf einfacher — wenn Sie das richtige Fahrzeug haben.
Mazda MX-5: Der ND (aktuelle Generation) ist zu teuer für schnelle Gewinne. Aber ein NC (Baujahr 2009–2015) mit 120'000 km für CHF 11'000? Der ist im Mai CHF 13'500 wert. Der MX-5 ist ein Kultobjekt. Die Käufer wissen, was sie wollen, und zahlen im Frühling gerne mehr.
BMW Z4: Hier müssen Sie aufpassen. Der E89 (2009–2016) läuft gut, besonders als sDrive28i oder sDrive35i. Ein Z4 sDrive28i von 2012 mit 110'000 km kostet jetzt CHF 16'000. Im April sind CHF 18'500 drin. Aber: Lassen Sie die Finger von Fahrzeugen mit unklarer Historie oder bekannten Problemen (Hardtop-Mechanik!).
Audi TT Roadster: Polarisiert, aber verkauft sich gut. Ein TT 2.0 TFSI Roadster von 2013 mit 100'000 km liegt bei CHF 19'000. Im Mai gehen die für CHF 21'500 bis 22'000 weg. Die Quattro-Varianten sind schneller verkauft als die Fronttriebler.
Die Luxus-Klasse: SLK, Boxster, Maserati
Hier trennt sich die Spreu vom Weizen. Luxus-Cabriolets sind riskanter, weil die Käuferbasis kleiner ist. Aber die Margen sind deutlich höher.
Mercedes SLK: Der R172 (2011–2016) ist ein sicherer Wert. Ein SLK 200 von 2014 mit 90'000 km kostet Sie CHF 21'000. Im Frühling kriegen Sie CHF 24'000 bis 25'000 dafür. Wichtig: Das Vario-Dach muss einwandfrei funktionieren. Käufer dieser Klasse dulden keine Macken.
Porsche Boxster: Der 981 (2012–2016) ist ein Traum für jeden Händler. Ein Boxster 2.7 von 2013 mit 85'000 km liegt bei CHF 35'000. Im Mai sind CHF 39'000 bis 40'000 realistisch. Die Nachfrage ist stabil, die Käufer zahlungskräftig. Aber: Nur mit Servicehistorie. Bei Porsche zählt jeder Stempel.
Maserati GranCabrio: Risiko und Rendite. Ein GranCabrio von 2012 mit 75'000 km kostet CHF 38'000. Im Frühling können Sie CHF 43'000 bis 45'000 verlangen. Aber: Nur für erfahrene Händler. Maserati-Käufer sind anspruchsvoll. Wenn etwas nicht stimmt, sind sie weg.
Einkaufsstrategie: Wo finden Sie jetzt Cabriolets?
Die besten Quellen im März:
1. B2B-Auktionen: Carauktion.ch ist Ihr erster Anlaufpunkt. Im Winter landen viele Cabriolets bei den Auktionen, weil Händler Platz schaffen wollen. Die Preise sind tief, die Konkurrenz überschaubar. Setzen Sie Alerts für die Modelle, die Sie suchen.
2. Privatankäufe: Viele Privatpersonen wollen ihr Cabrio loswerden, bevor die Saison beginnt. Entweder weil sie ein neues gekauft haben, oder weil sie Platz brauchen. Schalten Sie jetzt Ankauf-Inserate auf AutoScout24 und Autolina. Bieten Sie faire Preise — aber nicht Hochsaison-Preise.
3. Leasingrückläufer: Leasing-Gesellschaften haben im Frühjahr oft Cabriolets im Bestand, die im Herbst zurückgekommen sind. Die wollen die bis April verkauft haben. Rufen Sie Ihre Kontakte an. Oft gibt es Paketangebote.
4. Andere Händler: Kollegen mit zu vielen Cabrios im Bestand sind dankbare Verkäufer. Besonders kleinere Garagen ohne Platz für saisonale Lagerung. Bieten Sie Barzahlung und schnelle Abwicklung.
Aufbereitung: Cabrios brauchen Glanz
Ein Cabrio muss perfekt aussehen. Niemand kauft im Mai ein verstaubtes, verdrecktes Cabrio — egal wie günstig es ist. Investieren Sie in die Aufbereitung:
Lack: Polieren, versiegeln, zum Glänzen bringen. Ein Cabrio ist ein Emotionskauf. Wenn der Lack matt ist, ist der Kunde weg.
Verdeck: Stoffverdecke reinigen und imprägnieren. Hardtops auf Funktion prüfen. Jeder Käufer testet das Dach. Wenn's klemmt oder Geräusche macht, war's das.
Innenraum: Sitze reinigen, Leder pflegen, Kunststoffe auffrischen. Cabriolets haben oft Gebrauchsspuren, weil sie viel in der Sonne stehen. Machen Sie das unsichtbar.
Technik: Service machen lassen. Ein Cabrio ohne aktuellen Service ist unverkäuflich. Die Käufer sind sensibel. Ein fehlender Stempel kann den Deal kosten.
Rechnen Sie mit CHF 800 bis 1'200 für eine gründliche Aufbereitung. Das ist gut investiertes Geld. Der Unterschied zwischen einem "ok" aufbereiteten und einem "wow" aufbereiteten Cabrio sind locker CHF 2'000 im Verkaufspreis.
Verkaufsstrategie: Timing ist alles
Sie haben eingekauft, aufbereitet — jetzt geht's ums Timing. Zu früh online, und Sie stehen im Wettbewerb mit Winterpreisen. Zu spät, und Sie verpassen die erste Welle.
Die ideale Timeline:
- Anfang März: Einkaufen
- Mitte März: Aufbereiten
- Ende März: Online stellen (AutoScout24, Autolina, eigene Website)
- Anfang April: Erste Anfragen, erste Verkäufe
- Mai/Juni: Hochsaison
Wichtig: Stellen Sie die Fahrzeuge Ende März online, auch wenn das Wetter noch bescheiden ist. Die ersten Käufer planen voraus. Wer jetzt inseriert, hat im April bereits Verkaufstermine.
Preisgestaltung: Nicht zu gierig werden
Hier der häufigste Fehler: Händler kaufen im März günstig ein, rechnen die Hochsaison-Preise vom Vorjahr hoch — und bleiben auf den Fahrzeugen sitzen, weil sie zu teuer sind.
Die Faustregel: Kalkulieren Sie mit 15 bis 20 Prozent Marge auf den Einkaufspreis. Nicht mehr. Ein Golf Cabrio für CHF 12'000 eingekauft sollte für CHF 14'500 verkauft werden. Nicht für CHF 16'000.
Warum? Weil Ihre Konkurrenz das gleiche macht. Im April kommen hunderte Cabriolets auf den Markt. Wer zu teuer ist, bleibt liegen. Wer realistisch kalkuliert, verkauft schnell und macht Platz für das nächste Fahrzeug.
Risiken und wie Sie die vermeiden
Risiko 1: Wetterkapriolen
Was, wenn der April und Mai verregnet sind? Dann verschiebt sich die Nachfrage in den Juni. Nicht dramatisch, aber Sie verlieren Zeit. Dagegen gibt es keine Versicherung. Aber: Cabrio-Käufer kaufen auch bei Regen. Sie kaufen nicht für heute, sondern für den ganzen Sommer.
Risiko 2: Technische Probleme
Ein Verdeck, das klemmt. Eine Zylinderkopfdichtung, die undicht ist. Solche Überraschungen können ein Geschäft ruinieren. Lösung: Gründliche Prüfung vor dem Ankauf. Investieren Sie in eine Expertise bei einem Spezialisten, wenn Sie unsicher sind.
Risiko 3: Überkauft
Zu viele Cabriolets im Bestand binden Kapital und Platz. Kaufen Sie nur so viele, wie Sie im April/Mai verkaufen können. Faustregel: Maximal 20 Prozent des Bestands sollten Cabriolets sein.
Welche Cabrios Sie meiden sollten
Nicht jedes offene Auto ist ein Goldgrube. Diese Modelle sind Ladenhüter:
Diesel-Cabriolets: Mini Cooper D Cabrio, Audi A3 2.0 TDI Cabrio — vergessen Sie's. Niemand will ein Diesel-Cabrio. Die Käuferschaft ist minimal.
Exoten: Renault Mégane Cabrio, Opel Cascada, Peugeot 308 CC — schwierig zu verkaufen. Zu wenig Nachfrage, zu viele Fragezeichen bei der Zuverlässigkeit.
Alte Luxus-Cabrios: Mercedes SL R230 (Baujahr vor 2006), BMW 6er E64 (vor 2008) — Risiko zu hoch. Technisch komplex, hohe Reparaturkosten, anspruchsvolle Käufer.
Billig-Cabrios unter CHF 5'000: Peugeot 206 CC, Renault Wind — Zeitverschwendung. Zu geringe Margen, zu viele Probleme.
DealerOS-Tipp: Automatisierung nutzen
Wenn Sie DealerOS nutzen, können Sie jetzt schon die Verkaufstermine im April/Mai blockieren. Legen Sie die Fahrzeuge im System an, auch wenn sie erst Ende März online gehen. So behalten Sie den Überblick.
Nutzen Sie die automatische Preis-Tracking-Funktion: Lassen Sie DealerOS die Marktpreise überwachen. Wenn die Konkurrenz im April die Preise senkt, bekommen Sie einen Alert. So können Sie reagieren, bevor Ihre Fahrzeuge zu teuer sind.
Und: Setzen Sie Erinnerungen für die Aufbereitung. Ein Cabrio muss perfekt sein. DealerOS kann Sie drei Wochen vor dem geplanten Online-Termin erinnern, die Aufbereitung zu starten.
Fazit: März ist Einkaufsmonat
Die Cabrio-Saison ist planbar. Wer jetzt einkauft, clever aufbereitet und realistisch kalkuliert, macht bis Juni gutes Geld. Die Nachfrage ist da. Die Preise steigen. Sie müssen nur zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort sein.
Mein Rat: Starten Sie jetzt. Kaufen Sie zwei bis drei Cabriolets ein. Testen Sie das Geschäft. Wenn's klappt, skalieren Sie nächstes Jahr. Cabrios sind kein Hexenwerk — nur eine Frage des Timings.
Und vergessen Sie nicht: Im September geht das Spiel in die andere Richtung. Dann kaufen Sie die Hochsaison-Reste günstig und lagern sie über den Winter. Aber das ist ein Thema für einen anderen Artikel.